Wohnen mal der besonderen Art mit viel Glas und Blickkontakt zum Nachbarn: die Berliner Architektin Johanna Meyer-Grohbrügge füllte am 26.03.2025 zum Start der Frühjahrssaison „Architektur + Baukultur“ in Neumarkt mit ihrem fesselnden Werkbericht „Transparenz“ den Saal des Museums für Maybach Fahrzeuge mit Architekturfans. Den 126. Vortrag der Reihe seit 2001 organisierte wie immer das Büro Berschneider + Berschneider, mit Architekt Andreas Schmid als Moderator.

Johanna Meyer-Grohbrügge: Eine Architektin mit vielfältigem Hintergrund
Die Architektin und Professorin für Entwerfen sammelte bereits im Studium in Italien, Deutschland und der Schweiz wertvolle Erfahrungen, u.a. bei Architektur-Ikone Peter Zumthor. Nachhaltig geprägt haben sie die fünf Jahre als erste berufliche Station bei SANAA in Tokio. Danach ging es nach Berlin in die Selbstständigkeit.


Transparenz als Leitmotiv in der Architektur
Der Vortragstitel „Transparenz“ stand gleich vielschichtig für das erste Projekt des Abends, eine Wohnbebauung als Gemeinschaftsprojekt am Blockrand der Kurfürstenstraße als Collage aus mehreren gläsernen Kuben, die mit sehr offenen Strukturen die nachbarschaftliche Kommunikation fordern. Und das Ganze in einem sozialen Brennpunkt Berlins. Das neue Wohnen funktioniert seit vielen Jahren, was Johanna Meyer-Grohbrügge auch als Bewohnerin bestätigen konnte. Ihre Projekte bestechen durch innovative Raumkonzeptionen, funktionale Ästhetik und Klarheit. Der Bogen reicht dabei von Umbau und Erweiterung eines kleinen baufälligen Konsums zu einem Wohnpavillon mit Innenhof und offenen Grundrissen, der die umgebende Natur für die Bewohner ins Haus holt, bis hin zu einem alten Anwesen im Erzgebirge, das sich zur Wohn- und Wellnessoase verwandelt oder zu maroden Industriebrachen und Plattenbauten, die mit raffinierter Innenarchitektur und Architektur zu neuem Leben erwachen. So z.B. das historische Wirkbau Areal in Chemnitz, das mit spannenden Räumen und Dachgärten einmalige Gewerbewelten bietet. Das inspirierende Portfolio ergänzte ein Beispiel von faszinierender Ausstellungsarchitektur, eines der Talente des Büros Meyer-Grohbrügge, als temporäre Bespielung eines Altbaus aus DDR-Zeiten.
Diskussion und Ausblick
Im Anschluss an den Vortrag befragte Andreas Schmid die Referentin zu ihren Erfahrungen aus den Jahren in Japan, wie diese in ihre Arbeit fließen und was wir vom fernen Osten über neues Wohnen lernen können. Dazu das Thema, wie Architekten für Bauen im Bestand begeistert werden können.

Die Architekturfans ließen den Abend im Foyer mit geselligen Gesprächen rund um Architektur und Baukultur ausklingen.
Text und Fotos: Melanie Schlegel, Berschneider + Berschneider